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Billy Konaté
Wie viele Künstler stammt auch Billy Konaté aus einer außergewöhnlichen Musikerfamilie. Er wurde 1977 in Guinea geboren und ist der Sohn von Famoudou Konaté, einem der bedeutendsten Djembé-Meister Westafrikas.
Zum historischen Hintergrund: Sékou Touré, der erste Präsident Guineas nach der Unabhängigkeit im Jahr 1958, förderte maßgeblich das bereits 1949 gegründete Ensemble Les Ballets Africains de Guinée. Ziel war es, die Kultur und Traditionen Guineas zu bewahren und die künstlerischen Talente des Landes international sichtbar zu machen. Das Ensemble tourte weltweit und vermittelte dem Publikum den Reichtum und die Vielfalt westafrikanischer Tänze und der dazugehörigen Trommelmusik. Es galt lange Zeit als eines der herausragendsten traditionellen Tanz- und Trommelensembles Afrikas. Famoudou Konaté war dort von 1959 bis 1985 Erster Djembé-Solotrommler – eine Position, die in ihrer Bedeutung etwa der eines Konzertmeisters in einem europäischen Orchester entspricht.
Bereits im Alter von sieben Jahren begann Billy Konaté, gemeinsam mit seinem Vater die traditionelle Musik Westafrikas zu spielen. Schon früh erkannte er, dass diese Musik seine Berufung ist. Im Jahr 1983 folgte er seiner Mutter für mehrere Jahre in das Dorf Sangbarala, den Herkunftsort der Familie. Dort vertiefte er sein Wissen über die musikalischen, kulturellen und spirituellen Wurzeln seiner Traditionen, die vor allem im ländlichen Raum lebendig gehalten werden.
1993 gründete Billy sein eigenes Ensemble Ballett Hamana Sabougnouma. 1996 reiste er erstmals nach Europa und begann seine internationale Karriere. Seither führten ihn seine Konzert- und Workshop-Tätigkeiten regelmäßig in zahlreiche Länder, darunter die Niederlande, Frankreich, die Schweiz, Italien, Kanada und Japan. Seit 2002 lebt Billy Konaté in Deutschland – zunächst in Rheinland-Pfalz, heute in Mannheim.
Neben seinen eigenen Projekten nahm Billy an vielen Tourneen seines Vaters teil. In den Wintermonaten organisiert er Workshops in Guinea, die sowohl in seiner Trommelschule Konaté Kunda im Stadtteil Yembaya in Conakry als auch in seinem Heimatdorf Sangbarala stattfinden.
Billy Konaté zählt zu den virtuosesten und renommiertesten Perkussionisten seiner Generation. Seine einfühlsame, zugleich hochprofessionelle Art macht jede musikalische Begegnung mit ihm zu einer intensiven und nachhaltigen Erfahrung. Besonders bekannt ist er für sein meisterhaftes Djembé-Spiel und seine Fähigkeit, die reiche Kulturtradition Westafrikas lebendig und authentisch zu vermitteln.
Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Musik der Malinké (auch Maninka), einer ethnischen Gruppe, die neben Guinea auch in Mali, Senegal und Gambia beheimatet ist. Die Musik der Malinké ist eng mit traditionellen Ritualen, Zeremonien und Festen verbunden. Alte Weisheiten und Geschichten werden – stets an die jeweilige Situation angepasst – durch Gesang, Trommelmusik und Tanz weitergegeben. Die Trommeln erklingen solistisch, im Duett mit einer Basstrommel, häufig im Quartett mit drei Basstrommeln oder in anderen variablen Besetzungen. Die Rhythmen und Melodien sind komplex, vielschichtig und meist zyklisch aufgebaut – eine Struktur, die Raum für Improvisation und Variation lässt.